• Einfach schön,  Roman

    Das Eis-Schloss von Tarjei Vesaas

    Eine Stadt in Norwegen, ein Wasserfall, der im Winter zum Eis-Schloss friert und die beiden 11-jährigen Mädchen Siss und Unn, sind die Protagonist!nnen in Tarjei Vesaas Roman.

    Unn, die ihre Mutter verloren hat, kommt in die Stadt, um nach dem Tod ihrer Mutter, bei ihrer Tante zu leben . Durch ihre Traurigkeit ist sie eine Außenseiterin. Siss, eine robuste 11-jährige und oft die Anführerin ihrer Gruppe, gelingt es schließlich Unn näher zu kommen. Die Mädchen verbringen einen Abend miteinander, an dem Unn ein dunkles Geheimnis andeutet. Am nächsten Tag ist Unn verschwunden und bleibt es auch.

    Mit Unns Verschwinden erstarrt auch die Welt für Siss. Sie verliert sich fast selbst bei dem Versuch ihre Freundin nicht zu vergessen. Das Eis-Schloss ragt sowohl als Bedrohung, als auch als Metapher über der Geschichte. Es könnte ein Symbol für das an keiner Stelle enthüllte Geheimnis Unns stehen, aber auch für den Übergang von der Kindheit ins Erwachsensein.

    Beim Lesen kommt man nicht auf die Idee, dass das Buch fast 50 Jahre alt ist. Tarjei Vesaas Sprache ist zeitlos. Er bedient sich keiner Schnörkel und Verzierungen und doch ist der Text voller Poesie. Die Beschreibungen des Eises und der Gefühlswelt Sinns sind eisklar und warm und voller Wärme.

    Das Eis-Schloss wurde 1964 mit dem Preis des Nordischen Rates ausgezeichnet.

  • Einfach schön,  Sachliches

    Das schöne Leben der Toten von Milena Moser & Victor Mario Zaballa

    Jeder Mensch, egal welcher kulturellen Prägung, stellt sich irgendwann einmal die Frage: Was geschieht eigentlich nach dem Tod? … und beantwortet sie sich entweder mit: „Keine Ahnung!“ oder nach religiöser, kultureller Prägung. Meistens vermeiden die meisten Menschen es jedoch an den Tod zu denken, wobei dieser doch die einzige Gewissheit im Leben ist. In der mexikanischen Kultur werden die Toten gefeiert, sie werden am Diá de la Muertos eingeladen mit den Lebenden zu feiern. Genau genommen werden sie gelockt, denn die Verbindung zur Welt der Lebenden sind Essen, der Duft von Blumen und Freundschaft.

    Doch es ist nicht nur dieser Tag, es ist diese generell andere, eher freundschaftliche Haltung dem Tod gegenüber, die zu diesem Buch geführt hat. Milena Moser, Schriftstellerin, Schweizerin und seit fünf Jahren in den USA ansessig und Victor-Mario Zaballa, bildener Künstler toltekischer Herkunft , leben zusammen, arbeiten zusammen, sind mittlerweile verheiratet und der Tod ist für sie beide keine abstrakte Möglichkeit in ferner Zukunft, sondern täglich präsent, denn Zaballa hat mehrere lebensbedrohliche Erkrankungen, die ihn weder in seiner Kreativität noch in seiner Lebensfreude behindern. So gestaltet er regelmäßig auf der SomArt in San Francisco einen Altar zum Dia de los Muertos und auch im Hause Moser-Zaballa werden die lieben Verstorbenen an diesem Tag mit Essen, Liebe und Blumen gelockt, einen Abend mit den Lebenden zu verbringen. Die Toten müssen gelockt werden, denn ihnen geht es nach mexikanisch/toltekischer Auffassung sehr gut in einer der vielen Jenseitsmöglichkeiten.

    Es ist ein heiteres Buch, über Freundschaft, Liebe und Tod und alles was das Leben sonst noch ausmacht. Es kein langes Buch, gerade einmal 128 Seiten, illustriert mit Fotos von Victor Zaballas Altären und Zeichnungen, doch es ist auch ein gehaltvolles Buch und ein tröstendes. Ich kann es nur empfehlen.

  • Einfach schön

    Being Young von Linn Skåber

    Wie erleben Jugendliche die Pubertät? Was denken sie? Was macht sie traurig? Was bringt sie zum Lachen? Welche Hoffnungen und welche Befürchtungen haben sie? Die norwegische Autorin Linn Skåber ist dem nachgegangen. Sie hat sich mit Jugendlichen in Cafés, in ihren Zimmern und auf der Straße über ihr Leben unterhalten und das ihr Erzählte zu Geschichten verarbeitet. Es ist ein bunter Reigen geworden tiefsinnig, hoffunsvoll, traurig, lustig und wundervoll illustriert von Lisa Asiato.

    Es ist lange her, dass mich ein Buch so begeistert und mitgerissen hat. Es eines der Bücher das Eltern, Großeltern und Jugendliche lesen sollten. Den Älteren könnte es eine historische Perspektive eröffnen, durch die Erinnerung an die eigene Pubertät und den Jugendlichen die Erkenntnis nicht alleine zu sein mit den Gedanken, die vielleicht manchmal schräg und beängstigend erscheinen. Dieser Übergang von Kind zum Teenager ist kein Ponyhof, dass sicher nicht, aber auch kein Grund zum Verzweifeln, das machen die Geschichten und Bilder hier sehr deutlich.

    Übersetzt von Gabriele Haefs