• Kurzgeschichten

    Geschichten, Gedichte und Rätsel aus dem Spessart

    Leselaub – Der Schreibtisch im Spessart – Herausg. Sabine Fiedler-Conradi

    Fünfzehn AutorInnen schreiben hier über ihre Heimat, den Spessart. Kleine Geschichten und Gedichte, mal besinnlich, mal lustig, mal mit historischem Anklang. Ein feines kleines Lesebuch, das mir sehr viel Freude und Lust auf den Spessart gemacht hat.

    Entdeckungen im Spessart – Dreißig Rätsel, nicht nur für Einheimische – Herausg. Sabine Fiedler-Conradi und Horst Noll

    Interessante Ort, Personen und Landschaftmerkmale werden in dreißig Texten umschrieben, so dass der Leser, die Leserin raten kann, um was oder wen es sich handelt. Die Auflösungen findet sich im zweiten Teil des Buches, wo sie im Umkehrdruck erscheinen. Die Texte sind mit wunderschönen Bildern versehen. Die Motive kann man als Postkarten erwerben.

    Eine sehr feine Idee, eine interessante Landschaft vorzustellen, über die ich bis dato viel zu wenig wusste und die ich nun gerne einmal erkunden würde.

    Wem dreißig nicht genug sind, es gibt einen 2. Teil mit 28 weiteren Rätseln.

  • Roman

    Wo du nicht bist von Anke Gebert

    Als Dr. Erich Bragenheim sich für Irmgard Weckmüller interessiert, kann sie es nicht so richtig fassen. Er, ein Arzt mit Praxis am Kurfürstendamm, sie, eine Verkäuferin im KaDeWe aus dem Wedding, ob das gut gehen kann. Doch es ist die ganz große Liebe. Sie wollen heiraten, doch das geht nicht, denn Erich Bragenheim ist Jude und mittlerweile sind Eheschließungen, dank der kruden Rassenideologie der Nazis, zwischen Juden und Ariern verboten. Treffen zwischen den Beiden werden immer schwieriger, jede Entdeckung würde für Irmgard Zuchthaus bedeuten und für Erich den sicheren Tod. Schließlich wird Erich verhaftet und kommt nach Theresienstadt und später nach Auschwitz, wo er sofort ins Gas kommt. Wie er gestorben ist, erfährt Irmgard am Ende des Krieges, als sie hofft, dass er nun endlich heimkommt und sie heiraten werden. Das ist nun nicht mehr möglich … oder doch? Irma sucht sich einen Anwalt und kämpft sieben Jahre um das Recht, dass die vom Naziregime verweigerte Eheschließung posthum anerkannt wird.

    Anke Geberts Roman basiert auf einer wahren Geschichte. Es ist eine Liebesgeschichte der besonderen Art und es führt in eine dunkle Zeit. Die Autorin beschreit sehr eindrucksvoll, wie das Grauen immer näher rückt, die Welt der Verfolgten immer enger wird, bis sie so wie sie sie kannten, nicht mehr existiert. Auch wird sehr deutlich, dass Antisemitismus keine Erfindung der Nazis war und auch nicht nach dem zweiten Weltkrieg verschwand.

    Ein sehr empfehlenswertes Buch.

  • Hörbuch,  Roman,  Satire

    Quality Land 2.0 – Kikis Geheimnis von Marc-Uwe Kling – Audio

    Da sind sie wieder, Peter Arbeitsloser, seine Maschinen, der Alte und natürlich Kiki. Kaliope 7.3, die berühmte E-Poetin erzählt das neue Abenteuer und es geht rasant zu.

    Peter Arbeitsloser ist nun endlich in seinem Wunschberuf: Maschinentherapeut, gelandet. Den rosa Delfinvibrator ist er immer noch nicht los, aber man gewöhnt sich an vieles. Seine Beziehung zu Kiki Unbekannt kann man mit „es ist problematisch“ beschreiben, doch welche Beziehung ist das nicht? Während Peter sich also um die Beziehungsprobleme von Maschinen kümmert, ist Kiki auf der Suche nach ihrer Herkunft, dummerweise scheint das so einige zu stören, denn ein Killer ist auf sie angesetzt. Während Kiki also forscht und versucht zu überleben, fragt sich Aischa Ärztin, ob John of us, die AI, ist im Quality Land 1, Präsident wurde, nach seiner Sprengung noch im Netz vorhanden ist und verzweifelt an der Dummheit des momentanen Präsidenten. Johns Attentäter widerum, versucht einen Level zu erreichen, auf dem es ihm möglich ist vergessen zu werden.

    Nachdem ich von Quality Land 1 (Peters Problem) restlos begeistert war, habe ich mich schon gefragt, ob es Marc-Uwe Kling gelingen wird auf dem Niveau anzuschließen. Um es vorweg zu nehmen, es ist ihm gelungen und zwar ohne redundant zu werden. Quality Land 2.0 hat zwar die selben ProtagonistInnen, aber die haben sich entwickelt und die Geschichte hat ihr eigenes Tempo. Allerdings wie schon das Känguru Manifest endet sie mit einem üblen Cliffhanger und nun frage ich mich bis QL 3.0, wie es weiter geht.

    Hier ein kleiner Vorgeschmack, Marc-Uwe Kling hat eine Livelesung für den Spiegel gemacht, die nun auch auf Youtube verfügbar ist.

  • Dystopie

    Dunkler Raum von Peter Robert

    Lutz und Marion sind seit vier Jahren zusammen, er lebt mit seinem 14-jährigen Sohn Raphael in einer Sozialsiedlung in Neuenwerder und ist Hausmeister an der Schule, an der Marion Lehrerin ist. Marion, ihre 7-jährige Tochter Tari, Raphael und Lutz leben nicht zusammen, bis sich ihnen eine wunderbare Gelegenheit bietet. Marion könnte in dem Eliteinternat Vogelstein, in der Nähe von Lüneburg, eine Stelle als Sport- und Biologielehrerin bekommen, während Lutz dort als Hausmeister und Werkstattanleiter arbeiten könnte. Eine großzügige Unterkunft auf dem Schulgelände, würde es ihnen ermöglichen, mit ihren Kindern außerhalb der Großstadt, und besonders des sozialen Brennpunktes Neuenwerder, gemeinsam zu leben. Zurück in Neuenwerder bleiben ihre Freunde, die alleinerziehende Regina mit ihren beiden Kindern Papaya und Djibrill. Alles könnte so schön sein, doch dann beginnen nicht nur im Internat und in der Großstadt die Jugendlichen sich zu verändern. Sondern weltweit. Sie werden nicht wütend im üblichen Sinne, sie gehen nicht aufeinanderlos, es sind die Erwachsenen und Autoritätspersonen die sie verletzen und töten wollen. Sie schreien nicht, sondern sind ruhig, fokussiert und tödlich.

    Peter Roberts Dystopie ist ein faszinierendes Buch. Dunkler Raum handelt von einer grausamen gesellschaftlichen Entwicklung, doch die Erzählstimme des Autors ist so, dass es sich trotzdem gut lesen lässt. Sowohl die Charaktere, als auch das Millieu, in dem sie leben, ist lebensecht geschildert und die Entwicklung in die Zukunft hinein kohärent erzählt. Funfact, auch in Zukunft sind die Rolling Stones noch auf Tour.

    Es ist eines der Bücher, welches ich am liebsten jedem in die Hand drücken würde, mit der Anweisung: Lesen! Sofort!

    Eine Anmerkung die sich nicht auf den Inhalt bezieht, sondern auf die mehr als traurige Entscheidung der Buchgroßhändler keine Bücher von Kleinverlagen mehr ins Sortiment zu nehmen. Dies führt dazu, dass das E-Book zwar auf allen gängigen Portalen zu erhalten ist, dass physische Buch allerdings entweder beim Verlag direkt bestellt werden muss. Einige Buchhändler machen sich nicht gerne die Mühe direkt beim Verlag zu bestellen, sondern behaupten, da es im Katalog ihre Distributors nicht vorhanden ist, dass es das Buch nicht gibt. Bestehen sie darauf, dass es das Buch gibt, dass der Renitent Verlag den Buchhandel beliefert, auch wenn es ein wenig anstrengend ist. Es lohnt sich.

  • Krimi

    Stadt, Land, Raub von Marcie Rendon

    Renee Blackbear aka Cash, geht aufs College, ihr Auskommen finanziert sie mit Landarbeit und Billardspielen. Cash ist eine Einzelgängerin. Aufgewachsen ist sie in den verschiedensten Pflegefamilien, in denen sie Übergriffe und Gewalt erlebt hat, bis sie schließlich von Sheriff Wheaton in eine eigene Wohnung verfrachtet und ermutigt wurde aufs College zu gehen. Cash hat es nirgends einfach, Sicherheit und Zugehörigkeit kennt sie nicht. Weder zu den anderen indianischen StudentInnen noch zu ihren Kneipenkumpels. Wirklich nahe ist ihr nur, als eine Art Vaterersatz, Sheriff Wheaton. Ebenfalls ein native American. Er ist es auch, der sie um Hilfe bittet, als am College plötzlich ein Mädchen verschwindet und kurze Zeit darauf ein weiteres.

    Die Geschichte spielt 1970. Eine aufregende Zeit, nicht nur für Cash. Sie ist die die am Rand steht, die immer wachsam ist, die ihre Geschichte, eine die es durch die Zwangsadoptionen und das Pflegefamiliensystem dieser Zeit viel zu viele gibt, in denen so viele Kinder der mit indianischen Wurzeln traumatisiert und eben dieser Wurzeln beraubt wurden. Cash ist auch keine typische Detektivin, wie auch Stadt Land Raub kein typischer Krimi ist, denn den klassichen Ermittler, die klassische Ermittlerin gibt es nicht. Das Cash sich auf die Suche nach den verschwundenen Mädchen macht, ist eher ihrer Neugier geschuldet, als dem Wunsch kriminalistisch tätig zu werden.

    Stadt Land Raub ist Marcie Rendons zweites Buch um Cash, eine sehr intelligente junge Frau, die Kette raucht, Bier trinkt, Billard spielt und studiert. Leider habe ich den Vorgänger nicht gelesen, was ich allerdings so schnell wie möglich nachholen werde. Im Grunde hat mir alles an diesem Buch gefallen. Marcie Rendon beschreibt ihre Protagonistin als eine junge Frau, die zwar Opfer eines unmenschlichen Systems wurde, aber nicht bereit ist Opfer zu sein, sondern ohne Larmoyanz ihr Leben und die Chancen die sich ihr bieten annimmt.

  • Einfach schön

    Being Young von Linn Skåber

    Wie erleben Jugendliche die Pubertät? Was denken sie? Was macht sie traurig? Was bringt sie zum Lachen? Welche Hoffnungen und welche Befürchtungen haben sie? Die norwegische Autorin Linn Skåber ist dem nachgegangen. Sie hat sich mit Jugendlichen in Cafés, in ihren Zimmern und auf der Straße über ihr Leben unterhalten und das ihr Erzählte zu Geschichten verarbeitet. Es ist ein bunter Reigen geworden tiefsinnig, hoffunsvoll, traurig, lustig und wundervoll illustriert von Lisa Asiato.

    Es ist lange her, dass mich ein Buch so begeistert und mitgerissen hat. Es eines der Bücher das Eltern, Großeltern und Jugendliche lesen sollten. Den Älteren könnte es eine historische Perspektive eröffnen, durch die Erinnerung an die eigene Pubertät und den Jugendlichen die Erkenntnis nicht alleine zu sein mit den Gedanken, die vielleicht manchmal schräg und beängstigend erscheinen. Dieser Übergang von Kind zum Teenager ist kein Ponyhof, dass sicher nicht, aber auch kein Grund zum Verzweifeln, das machen die Geschichten und Bilder hier sehr deutlich.

    Übersetzt von Gabriele Haefs

  • Krimi

    Blumberg 2 von Andreas Niedermann

    Der Onkel von Demian Hesse liegt durch einen mysteriösen Unfall im Koma. Isa Blumberg, Ex-Punkerin, nicht ganz freiwillige Pflegemutter einer fast 18-jährigen, ehemalige Journalistin und depressiv, nimmt den Auftrag an die Umstände zu ermitteln. Sie hat gute Gründe Wien für eine Zeit zu verlassen, denn es gibt da eine gewisse Weste in der sich Geld befindet, ein Überbleibsel des vorherigen Falls, von dem sie sich recht freizügig bedient hat und dieses Geld gehört nicht sehr netten Leuten. Also nimmt die den Auftrag an, um den Westeninhalt wieder aufzufüllen. Natürlich geht bei Isa Blumberg wie immer nichts einfach glatt. Da ist eine Ex-Geliebte, die sich bei ihr einquartiert. Ganz zu schweigen von Düzen, der türkischen Taxifahrerin, die bereits in Blumberg 1 mit von der Partie war. Düzen hat mitsamt Baby Ferry ihren Mann verlassen und besteht darauf Isa zu begleiten, was die Ermittlungen nicht einfacher macht.

    Blumberg 2 – Die Wachswalze schließt direkt an Teil 1 an. Sicher lässt es sich unabhängig von diesem lesen, allerdings werden Direktleser und -leserinnen versucht sein, sofort Teil 1 zu ordern, um näheres über die Charaktere zu erfahren. Andreas Niedermann hat Suchpotential und so ist es sehr zu begrüßen, dass es auch einen Blumberg 3 geben wird.

  • Sagen und Märchen

    Sagas aus der Vorzeit – Herausg. Rudolf Simek u. a.

    Die in diesem Band vorgestellten Heldensagas stammen aus der Zeit vor der Besiedelung Islands, welche so um 870 herum begann. Sie erzählen von Hrolf Kraki und seinen Kämpen, den Völsungen, deren Geschichte ihren Ursprung in der Liederedda findet ind in der sich weite Elemente der Nibelungensaga finden. Fortsetzung findet die Geschichte der Völsungen in der Saga von Ragnar Lodbrok und alte Bekannte aus den vorherigen Erzählungen finden sich in der Geschichte von Norna-Gest. Meine Rezension bezieht sich auf den 1. Band der Sammlung, die in 3 Bänden erscheinen wird. Band 2 und 3 sind für Oktober 2020 angekündigt.

    Es hat schon frühere Ausgaben dieser Sagas gegeben, aber kaum eine, die so umfangreich, so lesbar und so schön aufgemacht ist. Bereits im Klappentext steht, was beim Lesen sofort ins Auge springt, Tolkien, George R. R. Martin, J. K Rowling und viele andere im Genre Fantasy haben sich aus diesem Schatz bedient, womit sich zeigt, dass diese Geschichten zeitlos sind und daher ist es doppelt fein, dass der Kröner Verlag dieses Projekt umgesetzt hat.

  • Uncategorized

    Kieler Bagaluten von Cornelia Leymann und Henning Schöttke

    Bagaluten finden sich in der besten Nachbarschaft

    Da gönnt sich Frau Heerten nur mal eben ein paar Eierlikörchen und ein bis zwei Klosterfraumelissengeist, setzt sich ins Auto und erwischt prompt Maunzi, die Katze der Nachbarskinder. Die muss natürlich weg, bevor die lieben Kleinen merken, dass Frau Heerten für ein verfrühtes Ableben der Fellnase gesorgt hat. Natürlich unbeabsichtig, aber doch alkoholisiert. Also soll Maunzi ein würdiges Grab an der Alten Levensauer Hochbrücke finden. Maunzi kommt also unter die Erde, doch beim Buddeln entdeckt Frau Heerten unter anderem ein altes Portemonaie. Der Name auf dem darauf enthaltenen Ausweis kommt ihr bekannt vor. War dieser Martin Szupryczynski nicht einmal ein Lover ihrer Tochter Karin, die nicht mit ihr spricht? Sabine Heerten beginnt nachzuforschen und stösst auf Mord, Einbruch, einen deutlich jüngeren Liebhaber und noch so einige Vorkommnisse, die man in der beschaulichen Suchsdorfer Nachbarschaft so gar nicht vermutet. Bagaluten finden sich halt überall.

    Gleich vorweg, ich habe mich lange nicht so gut bei einem Krimi amüsiert. Anfangs täuschen der ironische Plauderton und das Kieler Lokalkolorit darüber hinweg, dass es sich um einen Krimi handelt und zwar um einen ausgesprochen spannenden.

  • Uncategorized

    The Horseman’s Word Schottische Storys vom Brian McNeill

    Eine Hommage an Falkirk und die Sprache, die dort gesprochen wird

    Brian McNeill hat die Geschichten in diesem Buch seiner Heimatstatdt Falkirk und deren Umgebung gewidmet und der Sprache, die dort gesprochen wird. Es ist eine Reise durch die Jahrzehnte, da ist, die nahezu an Thomas Hardy erinnernde Titelgeschichte „The Horseman’s Word“ (Das Wort des Pflügers) die um 1913 herum spielt, gefolgt von „Bitte Auffordern“ (Take your partners) in der der Autor in das Falkirk von 1955 springt und so geht es weiter bis 2016, wo Scraps – The Fighter of many battles, sein letztes Gefecht kämpft. Diese Geschichte ist aus der Sicht des Katers Scraps erzählt, den Leser!nnen von Brian McNeills Büchern bereits aus „In the grass …“ (Schlange am Busen) kennen.

    Das der Autor dieser Geschichten Musiker ist, merkt man an jedem Satz. Jede Geschichte hat ihre eigene Melodie und diese hallt nach. Diesen Sprachrhytmus, ganz zu davon schweigen, den Dialekt ins Deutsche zu übertragen, ist wunderbar gelungen. Julian Haefs, der, wie er schreibt „von seiner ehrwürdigen Tante Gabriele angestiftet wurde“, sich an den Übersetzungen zu beteiligen, hat sich ausgezeichnet bewährt. Für Shaft (1979) hat er genau den richtigen Ton getroffen.

    Fazit: Unbedingt lesen