Ich weiß, wann du stirbst – Unni Lindell

Marian Dahle ist nicht in Bestform, als ihr die Ermittlung zu einem Cold Case angeboten wird. Eigentlich ist sie noch nicht wieder voll einsatzfähig. Ein traumatisches Erlebnis während einer Ermittlung, hat sie aus der Bahn geworfen. Sie zögert so auch zuerst den Fall anzunehmen, kann dann aber nicht widerstehen, denn der Fall der vor fünfzehn Jahren verschwundenen Thona, hat damals sehr viel Aufmerksamkeit erregt. Während der Ermittlungen findet Thonas Mutter einen Zettel, eine Liste mit den Namen von vier Männern. Auf dieser Liste befindet sich der Name des Mannes, der in Verdacht stand für Thonas Verschwinden verantwortlich zu sein. Einer der genannten Männer gilt als vermisst, ein weiterer wird ermordet aufgefunden. Es liegt nahe, dass es sich um eine Todesliste handelt. Während dessen zweifelt Marian mehr und mehr an ihren Verstand. Sie hat das Gefühl, dass jemand in ihre Wohnung eindringt, ist sich aber nicht sicher, ob es der Wirklichkeit entspricht oder ob sie Wahnvorstellungen hat.

Unni Lindell gilt als eine der erfolgreichsten SpannungsautorInnen Norwegens und führt mit Marian Dahle eine interessante neue Ermittlerin ein. Sicher, vieles entspricht dem Krimiklischee. Die traumatisierte Ermittlerin mit einem leichten Alkoholproblem, eine Außenseiterin, die sich nicht an Regeln hält. Das kennt man aus der einschlägigen Literatur, aber Unni Lindell zeigt, wie man aus bekannten Zutaten, etwas Neues, Spannendes kreiert. Die Geschichte selbst, ist voller überraschender, und doch logisch nachvollziehbarer, Wendungen und die Charaktere sind dreidimensional. Die Suche nach der so lange verschwundenen Thona, hat viele Nuancen. Sie erzählt von Verlust, vom Weiterleben nach einem Trauma und vom täglichen Kampf mit den Dämonen. Die Autorin versteht sich wunderbar auf Zwischentöne und spielt elegant mit den Wahrnehmungen ihrer LeserInnen.

Fazit: Sehr empfehlenswert.

Ich weiß, wann du stirbst

Autorin: Unni Lindell

ÜbersetzerInnen: Gabriele Haefs und Andreas Brunstermann

Aufbau Verlag

978-3-7466-3402-9

Preis 9,99 € 

Blumberg von Andreas Niedermann

Isa Blumberg, ehemalige Journalistin, hat es nicht leicht. Da ihre Impulskontrolle nicht immer so funktioniert, wie sie vielleicht sollte, ist sie ihren Job als Ausstellungs-Aufsicht erst einmal los. Galeristinnen lassen sich halt nicht so gerne ohrfeigen. Da kommt ihr das Angebot von Skinhead Jerk, den sie aus ihrer Anti-Agressionsgruppe kennt, gerade recht. Sie soll seinen kleinen Bruder Ronny suchen. Mit einem Vorschuss ausgestattet macht sie sich an die Arbeit, nutzt alte Kontakte und trifft dabei auf die 17-jährige Penelope, deren Stiefvater zu einem Todesfall in einem Fitnesscenter ermittelte, bevor er starb. Einem Fitnesscenter, das auch Ronny frequentiert hat. Penelope, das adoptierte Mädchen aus Somalia, erweist sich als reichlich harte Nuss, doch ist bei weitem nicht Isas einzige Baustelle. Ex-Freundin Carla will sie aus der Wohnung haben und auch Isas Sohn Killian, der katholischer Priester, hat eine Menge Gepäck. Überhaupt scheinen so einige der Menschen in Isas Umfeld nicht so ganz das zu sein, was sie auf den ersten Blick scheinen.

Andreas Niedermann hat mit Blumberg einen sehr besonderen Krimi geschrieben. Seine Protagonistin, die Ex-Punkerin, Ex-Journalistin Isa Blumberg, ist nicht mehr die Jüngste und reichlich vom Leben gebeutelt. Sie ist keine Ermittlerin oder Privatdetektivin, sie arbeitet für keine Zeitung, sie interessiert sich im Grunde auch nicht für den Ronny, den sie suchen soll, sie braucht schlicht und ergreifend Geld. Also ordert sie sich explizit ein Ausländertaxi, das auch kommt. Am Steuer die hochschwangere Düzen, über die nicht viel bekannt wird. Sie ist schweigsam und ruhig, im Gegensatz zu der unter Dampf stehenden Isa und der renitenten Penelope, die sie durch das hitzegebeutelte Wien chauffiert. Überhaupt hat mir Niedermanns Art, den alltäglichen Rassismus zu schildern gefallen. Nicht als flammende Anklage gegen die Gesellschaft, sondern als etwas dem man täglich begegnet.

Andreas Niedermann ist einer der Autoren, der Spannung, Atmosphäre und Charaktere erschaffen kann, ohne in die Trickkiste zu greifen. Billige Knallefffekte hat er nicht nötig. Seine Metaphern stimmen, seine Sprache klar und unprätenziös und sein Blick auf die Gesellschaft ist ein sehr wachsamer. Besonders sympathisch ist mir, dass er nicht wertet und auf jegliche Art von moralisch erhobenen Zeigefinger verzichtet.

Vor allem haben wir es hier mit einem Autoren zu tun, der sehr viel mehr gelesen werden sollte.

Blumberg

Autor: Andreas Niedermann

Verlag: Songdog Wien

Broschiert: 20,00 €

E-Book: