Böse Mütter – Ayelet Waldman

Ayelet Waldman ist eine engagierte Strafverteidigerin als sie ihr erstes Kind erwartet. Schnell ist klar,  sie will weiterarbeiten und ihr Ehemann, der Schriftsteller Michael Chabon, wird sich um das Kind kümmern. Schließlich ist sie Feministin. Und schon ist die, wie sie es nennt, Gute-Mütter-Polizei da. Frau hat schließlich in erster Linie Mutter zu sein. Ein Kleinkind braucht die Mutter und und und. Als sie dann zu Hause bleibt, stößt sie auf Unverständnis bei den Feministinnen und gesteht sich ehrlicherweise auch ein, dass sie das Nur-Mutter sein, doch arg langweilig findet. In den USA löst Ayelet Waldmann einen Shitstorm in Tsunamigröße aus, als sie einen Artikel in der New York Times veröffentlicht und darin schreibt, sie müsse wohl ihren Mann mehr lieben, als ihre Kinder, da sie immer noch mit ihm schläft. Sie erhält Drohungen, wird beschimpft und kriegt Mails von Männern, die gerne mit ihr verheiratet wären. Der Auslöser dieser provokanten Bemerkung geht unter: Waldman hatte die These aufgestellt, dass die sexuelle Unlust vieler Frauen, sowie Kinder da sind, daraus resultiere, dass sich die Leidenschaft auf die Kinder übertrug und dass es halt auch schwer ist, nach einem Tag mit Kindern und Haushalt, noch Interesse für Sex zu haben und dass es bei ihr eben nicht so sei, wäre der Tatsache geschuldet, dass ihr Mann sich im großen Maße an der Hausarbeit und Kinderversorgung beteiligt. Also der, „alles-muss-ich-alleine-machen“ Frust gar nicht erst aufkommt und so auch noch genug Energie für die Partnerschaft bleibt. Und natürlich hat jede*r eine Meinung, wie man Kinder aufziehen soll, was von Müttern zu erwarten ist und was eine gute Mutter ist.

Mich hat das Buch sehr berührt, obwohl meine Mutterzeit, also mit kleinen Kindern, die auf mich angewiesen sind, schon lange durch ist. Mir kann vieles so bekannt vor. Die gestandenen Mütter, die mit Argusaugen darüber wachten, dass alles so abäuft, wie sie es sich vorstellten und überhaupt. Berührt hat mich auch, die Aufrichtigkeit mit der Ayelet Waldman über ihr Leben schreibt und wie direkt sie in die Auseinandersetzung mit den ihr wichtigen Themen geht. Mich, als Betroffene, hat der Teil angesprochen, in dem sie über ihre bipolare Störung schreibt, von ihrer Angst, dass ihre Kinder diese geerbt haben könnten. Von ihrer Suche nach Wegen mit ihren Wutanfällen und Depressionen zurecht zu kommen. Zu dem Thema erscheint am 25.6.2018 von der Autorin, „Ein richtig guter Tag“, welches ich mit Sicherheit lesen werde.

Böse Mütter – Meine mütterlichen Sünden, großen und kleinen Katastrophen und Momente des Glücks, ist bereits 2009 erschienen und mir eher durch Zufall in die Hände gefallen. Ich habe es antiquarisch gekauft.

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